Mussolinis Aliens waren groß, blond und blauäugig

Am Morgen des 13. Juni 1933 soll sich der weltweit erste UFO-Crash ereignet haben – und zwar in Vergiate, nahe dem Lago Maggiore, an der Grenze zwischen dem Piemont und der Lombardei. Die fliegende Untertasse und zwei “Außerirdische”, die den Absturz nicht überlebt hatten, wurden von den faschistischen Sicherheitskräften geborgen und ins Werk des Flugzeugbauers SIAI-Marchetti in Mailand in Sicherheit gebracht. Als 1,80 Meter groß, hellhäutig, blond, mit blauen Augen – so wurden die Piloten beschrieben und in Formalin gelegt.

Geheimorganisation RS/33

Nach Aliens klingt das nicht. Doch der Duce war alarmiert: Benito Mussolini war zunächst überzeugt, dass es sich um eine feindliche, technologisch weit überlegene Macht handle, die illegal in den italienischen Luftraum eingedrungen war, und verordnete absolute Geheimhaltung. Dann kamen ihm offenbar Zweifel, ob es sich nicht doch um etwas Extraterrestrisches handeln könnte, und der Diktator beauftragte die von seiner Geheimpolizei dafür eigens ins Leben gerufene Organisation RS/33 mit der Untersuchung des Falls.

Diktator Benito Mussolini gründete eine eigene Geheimorganisation, um den UFO-Absturz untersuchen zu lassen

Diktator Benito Mussolini gründete eine eigene Geheimorganisation, um den UFO-Absturz untersuchen zu lassen

© AP

Geleitet wurde diese angeblich von Guglielmo Marconi, Erfinder der drahtlosen Telegrafie und Träger des Nobelpreises für Physik 1909. Später sollen auch die Deutschen an die Daten über das Flugobjekt gekommen sein und ihre geheime Wunderwaffe “Glocke” danach konstruiert haben. Dass Hitlers Reichsflugscheibe Unsinn ist, ist mittlerweile übrigens erwiesen.

Anonyme Dokumente

So weit die Erzählung – ob es sich punkto UFO um Fakten handelt, wird selbst von skeptischen Ufologen bezweifelt. Seit Mitte der 1990er-Jahre geistert diese Geschichte durch italienische Medien. Wieder angeheizt hat sie jetzt der Whistleblower David Grusch. Der ehemalige US-Luftwaffenoffizier und Geheimdienstmitarbeiter sprach in Interviews von ersten UFO-Funden im Italien der 1930er-Jahre, die nach dem Zweiten Weltkrieg in geheime Labors in die USA gebracht worden sein sollen.

Die Quellen für das geheimnisvolle UFO sind Dokumente, die 1996 – also mehr als 50 Jahre nach den Ereignissen – anonym an ausgesuchte italienische Medien geschickt wurden. Seither versucht man, die Akten wissenschaftlich zu analysieren. Historiker, Archivare und sogar seriöse UFO-Forscher bezweifeln allerdings deren Echtheit. Seltsamerweise tauchte bisher nirgendwo eine Unterorganisation RS/33 der Geheimpolizei auf, die mit der Untersuchung von extraterrestrischen Flugobjekten beauftragt gewesen wäre.

“Ufologiezentrum”

Dann die Dokumente selbst – auch wenn sie mit entsprechendem Briefkopf versehen sind, stammen sie nachweislich aus keinem öffentlichen Archiv. Zudem geht es in den Briefen und Telegrammen auch um persönliche Informationen und Eindrücke, die nichts in objektiven Akten verloren haben. Roberto Pinotti, Chef des privaten “Italienischen Ufologiezentrums”, ließ eine Expertise zur Echtheit der Dokumente erstellen. Doch auch deren Ergebnisse sind äußerst umstritten, da unklar ist, mit welchen Methoden diese angeblich historischen Dokumente untersucht wurden.

Das tut dem UFO-Hype freilich keinen Abbruch, UFO-Gläubige wittern seit jeher Verschwörungen. Gut, als die US-Armee 1947 nach dem Crash von Roswell die erste fliegende Untertasse in Amerika als einen Wetterballon mit Radarreflektor bezeichnete, entsprach das nicht ganz der Wahrheit. Die kam erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 ans Tageslicht: Der Ballon war Teil des Projekts “Mogul”, unterlag dem höchsten Geheimhaltungsgrad und sollte in der Tropo- und Stratosphäre Schallwellen von sowjetischen Atomtests erkennen.

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